Reisebericht

Unsere Geschichtsreise nach Griechenland führte unsere Reisegruppe - 21 Personen aus Österreich und Deutschland und altersmäßig gut durchmischt - an verschiedene Orte in Griechenland (Athen, Kalávrita und Thessaloniki). Dort beschäftigten wir uns mit Zeitgeschichte und aktuellen politischen Lage Griechenlands.

Die erste Station unserer Reise war Athen, wo wir vier Nächte verbrachten. Wir startete mit einer Kennenlernrunde und einem gemeinsamen Abendessen im kretischen Restaurant Oxo Nou. In den ersten beiden Tage thematisierten wir dier Geschichte der griechischen Linken im 20. Jahrhundert. Wir kooperierten dafür eng mit dem ASKI (Contemporary Social History Archive), dessen Direktor und Historiker Kostis Karpozilos mit uns einen einführenden historischen Stadtspaziergang unternahm. Durch das Lesen von Texten und gemeinsame Diskussionen vertieften wir unser Wissen. Am Abend des zweiten Tages präsentierte der Historker Robert Streibel, selbst Teilnehmer der Reise, sein Buch "April in Stein", in dem ein Massaker an Gefängnishäftlingen in Krems am Ende des Zweiten Weltkriegs thematisiert wird. Unter den Getöteten waren auch griechische politische Häftlinge, ein Beispiel das zeigt, wie verwoben oft getrennt betrachtete nationale Geschichten sind.

Am dritten Tag unserer Reise besuchten wir das Bergdorf Kalávrita, wo im Dezember 1943 das größte von zahlreichen Wehrmachtsmassakern stattgefunden hatte. Wir besuchten das Museum und die Gedenkstätte in Erinnerung an das Massaker. Gleichzeitig ist Kalávrita ein beliebtes touristisches Ausflugsziel und nach einem gemeinsamen Mittagessen nahm unsere Reisegruppe an einer Zugfahrt durch die beeindruckende Landschaft teil. Der Widerspruch zwischen Vergangenheit und Gegenwart wurde in der folgenden Reflexionsrunde betont.

Wieder zurück in Athen beschäftigten wir uns mit verschiedenen Einzelaspekten aus Vergangenheit und Gegenwart, zunächst mit der Besatzung von Athen. Der Historiker und Übersetzer Nikos Skoplakis zeigte uns ein widersprüchliches Bild im Stadtzentrum: Während politische Gegner*innen inhaftiert und gefoltert wurden, lebten Werhmachtssoldaten und Kollaborateure im Luxus. Der Historiker Tassos Sakellaropoulos sprach im Anschluss über die soziale Basis der Widerstandsbewegung und die Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Mehrere aktuelle politische Debatten waren in diesen Tagen auch am Programm: Die Aktivistin Anna Mihopoulou gab uns einen Einblick in feministische Kämpfe in Griechenland und erzählte auch von ihrem eigenen politischen Engagement in den 1980er Jahren. In einem Zwiegespräch von Judith Goetz und Electra Alexandropoulou über Staat und Rechtsextremismus in Griechenland und Österreich wurde deutlich, dass rechter Terror ein europäisches Phänomen ist und antifaschistische Solidarität über nationale Grenzen hinweg notwendig ist.

Die letzte Station unserer Reise war Thessaloniki, wo wir in der Nacht von 25. auf 26. Februar nach einer langen und verregneten Busfahrt ankamen. Am nächsten Tag besuchten wir das Jüdische Museum Thessalonikis und trafen im Anschluss den Historiker Giorgos Antoniou zu einem Stadtspaziergang. Er sprach über die Geschichte Thessalonikis und aktuelle Debatten um die Erinnerung. Am letzten Tag unserer Reise trafen wir den Historiker und Aktivisten Konstantinos Tsitelikis im kollektiv geführten Lokal Oraion Itepo zu einem Gespräch über den Mazedonien Konflikt. Nach einem freien Nachmittag beendeten wir unsere Reise mit einem gemeinsamen Abendessen.

Reiseorganisation und -begleitung: Milena Jana Gegios, Elisabeth Luif und Barbara Steiner

Fotos von Nadia Baha und Elisabeth Luif

Wir danken unserer Reisegruppe für die aktive Beteiligung, die spannenden Diskussionen und den solidarischen Umgang untereinander! Wir danken allen Vortragenden für das Teilen ihres Wissens und ihre Offenheit! Wir danken unseren Kooperationspartnerinnen für die Unterstützung!

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In Kooperation mit:

Wir danke für die freundliche Unterstützung des Projekts durch: