Von 1.-8. Oktober 2016 haben wir mit einer Reisegruppe von 14 Personen – Studierende und historisch Interessierte – verschiedene Orte in Griechenland (Athen, Distomo und Thessaloniki) besucht und uns im Gespräch mit Historiker*innen und Aktivist*innen, bei Stadtspaziergängen und Museumsbesuchen mit der Zeitgeschichte Griechenlands auseinandergesetzt. Vor und am Beginn unserer Reise konnten wir uns durch die gemeinsame Diskussion verschiedener Texte bereits ein einführendes Wissen erarbeiten und offene Fragen sammeln. In Gruppenrunden während, am Ende und nach der Reise haben wir Erlebtes – inhaltlich und persönlich – reflektiert.

Die erste Station unserer Reise war Athen. Zunächst erfuhren wir in einem historischen Stadtspaziergang über das Alltagsleben unter der Besatzung und Orte der Repression – eine 'Topografie des Terrors'. In Vorträgen mit Historikern hörten wir über die Okkupation Kretas sowie die politischen Konflikte, die zum Bürger*innenkrieg führten und die bis heute andauernde Bedeutung dieses Kriegs für die griechische Gesellschaft.

Wir besuchten die Dörfer Distomo und Chortiatis, in denen NS-Einheiten 1944 grausame Massaker gegen Zivilist*innen verübt haben. Wir hörten dort die Geschichte der Massaker und besuchten Denkmäler für die Ermorderten. Wir sprachen auch über die länger zurückliegende Geschichte der Dörfer, über den Einschnitt, den die Massaker für die Überlebenden bedeuteten und den Umgang danach.

In Thessaloniki konnten wir in einem Stadtspaziergang über die multikulturelle Geschichte der Stadt erfahren. Die Stadt war mehrheitlich jüdisch, mit großen muslimischen und christlichen Minderheiten, als sie 1913 vom Osmanischen Reich zu Griechenland kam. Die Vernichtung der Jüd*innen Thessalonikis durch die Nazis ist bis heute ein schwieriges Thema, weil damit auch die Rolle der griechischen Behörden in den Blick gerät, die von der antisemitischen NS-Politik profitiert und die Deportationen zumindest geduldet haben. Wir sprachen weiters über den Konflikt um die (historische) Region Mazedonien zwischen Griechenland und der (ehemaligen jugoslawischen) Republik Mazedonien - bis heute hat dieser eine wichtige (symbolische) Bedeutung für den griechischen Nationalismus.

Während der Reise trafen wir uns mit politischen Aktivist*innen um über die aktuelle Lage zu hören und uns auszutauschen. Wir sprachen mit der Gruppe Antifa Negative über Antisemitismus in Griechenland heute und mit Aktivist*innen einer besetzten Schule über die Situation von Geflüchteten. Weiters trafen wir uns mit 'Golden Dawn Watch', die den Prozess gegen die Neo-Nazi Partei Chrisi Avgi beobachtet.

Reiseorganisation und -begleitung: Alexander Berger, Sissi Luif, Korbinian Schleicher, Barbara Steiner


Wir danken für die Unterstützung der Reise durch:

  Hochschüler*innenschaft an der Uni Wien, insbesondere dem Referat für antifaschistische Gesellschaftskritik

Studienvertretung/ Institutsgruppe Germanistik Uni Wien

Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften Uni Wien

Studienvertretung Byzantinistik und Neogräzistik Uni Wien

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